SGKB warnt vor irrationalen Marktbewegungen und passivem Investieren
Die St. Galler Kantonalbank (SGKB) beobachtet zunehmende Preisschwankungen in liquiden Märkten. Die Ursachen liegen in algorithmischen Handelsstrategien und passivem Investieren.

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- SGKB beobachtet zunehmende Preisschwankungen in liquiden Märkten
- Ursachen liegen in algorithmischen Handelsstrategien und passivem Investieren
- Passives Investieren führt zu fehlender Gegenposition bei starken Marktbewegungen
- Rationale Investoren können von Preiskorrekturen profitieren
- Unternehmen müssen mit stärkeren Kurschwankungen rechnen
Key Facts
Überblick- Quelle
- Moneycab
- Veröffentlicht
- 19.10.2026, 09:37
- Rubrik
- Finanzen
- Schwerpunkte
- Neue Vorschriften & Compliance, Digitalisierung & Verwaltung, Künstliche Intelligenz
- Einschätzung (KI)
- NeutralMarktentwicklung für Investoren
Ursachen der Preisschwankungen
Die SGKB stellt fest, dass starke Kursbewegungen nicht mehr nur bei Small Caps, sondern auch in hochliquiden Märkten häufiger auftreten. Als Beispiele nennt sie den US-Treasury-Markt, die Aktie von Microsoft und den Euro-Franken-Kurs. Diese Bewegungen lassen sich nicht mit rationalen Marktmechanismen erklären.
Ein zentraler Grund dafür ist die hohe Liquidität im Finanzsystem, die durch die Geldpolitik der Zentralbanken seit der Finanzkrise entstanden ist. Ein Teil dieses Geldes fliesst in algorithmische Handelsstrategien, die auf Modellsignalen basieren. Da diese Modelle ähnlich aufgebaut sind, führen sie zu ähnlichen Anlageentscheiden, was zu übermässigen Handelsvolumina führen kann.
Die SGKB betont, dass die Preisschwankungen nicht nur auf einzelne Märkte beschränkt sind, sondern ein globales Phänomen darstellen. Die zunehmende Vernetzung der Finanzmärkte führt dazu, dass sich solche Bewegungen schnell auf andere Märkte übertragen können. Dies erhöht die Volatilität und macht es für Investoren schwieriger, rationale Entscheidungen zu treffen.
Passives Investieren als Problem
Die SGKB sieht auch im passiven Investieren ein Problem. Grosse Investoren, die Indizes nachbilden, interessieren sich nicht mehr für die fundamentale Bewertung ihrer Investitionen. Ihre Entscheidungen werden zunehmend gleichgeschaltet, was zu fehlender Gegenposition bei starken Marktbewegungen führt.
Ein weiteres Problem des passiven Investierens ist die zunehmende Konzentration von Vermögen in wenigen Händen. Grosse passive Investoren halten oft grosse Anteile an einzelnen Unternehmen, was die Marktmacht konzentriert und die Preisfindung verzerrt. Dies kann zu einer Reduktion der Marktliquidität führen, was die Preisschwankungen weiter verstärkt.
Chancen für rationale Investoren
Trotz der zunehmenden Irrationalität in den Märkten sieht die SGKB Chancen für rationale Investoren. Da sich Preisschwankungen ohne wirtschaftliche Grundlage meist korrigieren, empfiehlt sie, das Portfolio auf mittelfristige Wachstumsaussichten auszurichten. Zudem bieten solche Übertreibungen Gelegenheiten, gewinnbringend zu handeln.
Rationale Investoren können von den Preisschwankungen profitieren, indem sie Übertreibungen identifizieren und gezielt handeln. Dies erfordert jedoch eine fundierte Analyse und ein tiefes Verständnis der fundamentalen Faktoren, die den Wert eines Unternehmens oder einer Anleihe bestimmen. Langfristig orientierte Investoren können so von den kurzfristigen Schwankungen profitieren.
Einordnung für die Schweiz
Die Beobachtungen der SGKB sind nicht auf die Schweiz beschränkt, betreffen aber auch Schweizer Investoren. Die zunehmende Abhängigkeit von algorithmischen Handelsstrategien und passivem Investieren könnte die Stabilität der Finanzmärkte gefährden.
Für die Schweiz bedeutet dies, dass auch lokale Märkte von diesen globalen Trends beeinflusst werden. Schweizer Investoren müssen sich der zunehmenden Irrationalität bewusst sein und ihre Strategien entsprechend anpassen. Dies gilt insbesondere für die Schweizer Franken, der als sicherer Hafen gilt und daher besonders anfällig für solche Bewegungen ist.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für Unternehmen bedeutet dies, dass ihre Aktienkurse stärkeren Schwankungen unterliegen können, die nicht immer mit fundamentalen Unternehmensdaten zu erklären sind. Dies kann die Planung und Bewertung von Unternehmen erschweren.
Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre Finanzstrategien anpassen müssen. Dies kann bedeuten, dass sie ihre Finanzierung stärker auf langfristige Quellen ausrichten oder gezielt in Märkte investieren, die weniger von diesen Schwankungen betroffen sind. Zudem müssen sie ihre Kommunikation an die Bedürfnisse der Investoren anpassen, um irrationalen Bewegungen entgegenzuwirken.
Ausblick
Die SGKB erwartet, dass die Zahl der abrupten Marktbewegungen weiter steigen wird. Dies liegt unter anderem am zunehmenden Einfluss von KI-Modellen bei Anlageentscheiden. Investoren sollten sich darauf einstellen und ihre Strategien entsprechend anpassen.
Einordnung
Die Beobachtungen der SGKB sind Teil eines globalen Trends zu zunehmender Irrationalität in den Finanzmärkten. Dies liegt unter anderem an der Dominanz von algorithmischen Handelsstrategien und passivem Investieren.
Was das für KMU bedeutet
Für Schweizer KMU bedeutet dies, dass ihre Aktienkurse stärkeren Schwankungen unterliegen können. Dies kann die Planung und Bewertung von Unternehmen erschweren und zu zusätzlicher Unsicherheit führen.
Zahlen
- US-Treasury
- 14 Basispunkte Anstieg, 30 Basispunkte Verlust
- Microsoft-Aktie
- 25% Kursanstieg, 50 Mrd. US-Dollar Handelsvolumen
- Euro-Franken-Kurs
- mehr als ein Rappen Verlust
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Originaltitel: SGKB Investment Views: Sind die Finanzmärkte verrückt geworden?



