Gaspreis über 100 Euro: Europas Speicher vor Winter auf Tiefstand
Der europäische Gaspreis hat erstmals seit 2022 die Marke von 100 Euro je Megawattstunde überschritten. Der Iran-Krieg und niedrige Speicherstände verschärfen die Lage, besonders vor dem Winter.

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der europäische Gaspreis hat erstmals seit 2022 die Marke von 100 Euro je Megawattstunde überschritten.
- Der Anstieg der Gaspreise ist hauptsächlich auf den Krieg zwischen den USA und dem Iran sowie auf niedrige Speicherstände zurückzuführen.
- Gasspeicher in Europa und Österreich auf Tiefstand
- Industrie muss Produktion drosseln
- Analysten erwarten hohe Preise für mindestens ein weiteres Jahr
Key Facts
Überblick- Quelle
- Trending Topics
- Veröffentlicht
- 30.10.2026, 14:59
- Rubrik
- Energie
- Schwerpunkte
- Energiekosten & -versorgung, Neue Vorschriften & Compliance
- Einschätzung (KI)
- NegativHohe Energiekosten für Unternehmen
Ausgangslage
Der europäische Gaspreis hat am Mittwoch erstmals seit 2022 die Marke von 100 Euro je Megawattstunde überschritten. Am Freitagvormittag lag der Preis bei rund 102 Euro, was einem Anstieg von über 4 Prozent gegenüber dem Vortag entspricht. Anfang September lag der Preis noch bei rund 70 Euro, vor dem Iran-Krieg sogar bei etwa 30 Euro.
Der aktuelle Anstieg der Gaspreise ist besonders brisant, da der Winter noch nicht einmal begonnen hat. Die Preise haben sich innerhalb weniger Monate vervielfacht, was auf die anhaltende geopolitische Instabilität und die begrenzte Verfügbarkeit von Gas zurückzuführen ist. Die Situation erinnert an die Energiekrise von 2022, als die Preise ähnlich hoch waren und die Versorgung in Europa gefährdet war.
Die Preisentwicklung zeigt, wie anfällig die europäischen Energiemärkte weiterhin auf geopolitische Spannungen reagieren. Die aktuellen Preise könnten nur der Beginn einer längeren Phase hoher Energiekosten sein, insbesondere wenn der Winter kälter ausfällt als erwartet.
Hintergrund
Der Anstieg der Gaspreise ist hauptsächlich auf den Krieg zwischen den USA und dem Iran zurückzuführen. Die Strasse von Hormus, eine wichtige Schifffahrtsroute für Flüssiggas (LNG) aus dem Nahen Osten, ist seit Monaten gestört. Das Analysehaus Rystad Energy gibt bekannt, dass die LNG-Importe Europas in einer Woche im Oktober um 30 Prozent tiefer als im Vorjahr waren.
Die Strasse von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den Transport von Flüssiggas (LNG) aus dem Nahen Osten. Die Störungen in dieser Region haben die Lieferketten unterbrochen und die Preise in die Höhe getrieben. Die Analysten von Rystad Energy warnen vor weiteren Engpässen, falls die Lage nicht bald entschärft wird. Die Unsicherheit auf den Märkten führt zu spekulativen Preisbewegungen, die die Situation zusätzlich verschärfen.
Einordnung für die Schweiz
In Österreich liegt der Füllstand der Gasspeicher bei 67,8 Prozent, in Deutschland bei rund 61 Prozent. Vor einem Jahr waren die Speicher in beiden Ländern deutlich voller. Die Bundesregierung in Berlin hat bereits Massnahmen ergriffen, um zusätzliche Gasreserven zu sichern.
Dies könnte den Verbrauch erhöhen und den Druck auf die Speicher weiter steigern.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die Industrie, insbesondere Chemie-, Dünger- und Stahlhersteller, ist besonders betroffen. Viele Unternehmen kaufen Gas direkt zu Börsenpreisen ein und haben bereits ihre Produktion gedrosselt.
Ausblick
Analysten rechnen damit, dass die Gaspreise noch mindestens zwölf Monate erhöht bleiben. Das gilt selbst, falls der Konflikt beendet ist und ein sanfter Winter herrscht.
Einordnung
Der aktuelle Anstieg der Gaspreise erinnert an die Energiekrise von 2022, als der Preis zeitweise fast 340 Euro je Megawattstunde erreichte. Damals war die Versorgung jedoch gefährdeter als heute, da die Speicherstände noch tiefer waren und weniger Reserven vorhanden waren.
Was das für KMU bedeutet
Für Schweizer KMU bedeutet die aktuelle Lage erhöhte Energiekosten und möglicherweise Produktionsdrosselungen. Unternehmen, die direkt zu Börsenpreisen einkaufen, sind besonders betroffen. Langfristig könnte die Krise jedoch das Geschäft mit Alternativen wie Wärmepumpen ankurbeln.
Zahlen
- Gaspreis
- 102 Euro je Megawattstunde
- Füllstand Gasspeicher Österreich
- 67,8 Prozent
- Füllstand Gasspeicher Deutschland
- 61 Prozent
- LNG-Importe Europa
- 30 Prozent unter Vorjahreswert
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