Weltweite Armut steigt erstmals seit 2010 wieder an
Der Bericht des UN-Entwicklungsprogramms zeigt einen Anstieg der multidimensionalen Armut. Besonders betroffen sind Kinder und ländliche Regionen.
Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die weltweite Armut ist erstmals seit 2010 wieder gestiegen.
- 1,2 Milliarden Menschen leben in multidimensionaler Armut.
- Besonders betroffen sind Kinder und ländliche Regionen.
- Der Anstieg wird teilweise auf Bevölkerungswachstum zurückgeführt.
- Fortschritte wurden in 33 Ländern erzielt, insbesondere in Asien.
Key Facts
Überblick- Quelle
- BIZ24-Recherche
- Recherchiert aus
- watson.ch, heute.at, krone.at
- Veröffentlicht
- 12.10.2026, 10:50
- Rubrik
- Wirtschaft
- Schwerpunkte
- Export & neue Märkte, Lieferketten & Beschaffung
- Einschätzung (KI)
- NegativSoziale und wirtschaftliche Folgen
Aktuelle Entwicklung
Die weltweite Armut hat erstmals seit der Einführung des multidimensionalen Armutsindex im Jahr 2010 wieder zugenommen. Laut dem jüngsten Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) leben derzeit 1,2 Milliarden Menschen in multidimensionaler Armut, was einem Anstieg von 51,5 Millionen im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Kinder und Jugendliche. Die Armut ist besonders in ländlichen Gebieten verbreitet, wo rund 83 Prozent der Armen leben. Die Mehrheit der verarmten Bevölkerung wohnt noch immer in Afrika südlich des Äquators sowie im südlichen Asien. Letzteres umfasst insbesondere den indischen Subkontinent.
Der Bericht des UNDP zeigt, dass die Armut nicht nur finanziell, sondern auch in Bezug auf Bildung, Gesundheit und Lebensstandard gestiegen ist. Dies bedeutet, dass die Betroffenen nicht nur unter Geldmangel leiden, sondern auch unter mangelndem Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und Ressourcen.
Dies führt zu einem Teufelskreis aus Armut und mangelnder Entwicklung, der ohne gezielte Massnahmen schwer zu durchbrechen ist.
Ursachen und Faktoren
Der multidimensionale Armutsindex misst nicht allein die finanzielle Lage, sondern auch die tatsächlichen Lebensumstände der Bevölkerung. Dazu zählen unter anderem die Möglichkeit, sauberes Trinkwasser zu nutzen, Strom zu haben, Bildung zu erhalten, genügend Nahrung zu haben, sanitäre Anlagen zu nutzen und ausreichenden Wohnraum zu besitzen. Auch die Möglichkeit zum sauberen Kochen wird bewertet.
Der Anstieg der Armut wird teilweise auf das Bevölkerungswachstum zurückgeführt. Zusätzlich waren neue Informationen lediglich in 13 von 108 analysierten Staaten vorhanden. Dadurch wird der Vergleich mit dem vorherigen Jahr erschwert.
Die Organisation der Vereinten Nationen prüft insgesamt zehn Massstäbe in den Gebieten Gesundheit, Bildung und Lebensstandard. Dazu gehört unter anderem, ob die Menschen ausreichend Nahrung erhalten, ihre Kinder in die Schule schicken können oder ob sie Zugang zu sauberem Trinkwasser, Elektrizität und einer Toilette haben.
Fortschritte und Erfolge
Trotz des Anstiegs zeigt der Bericht auch Fortschritte im Kampf gegen die Armut. In den vergangenen 15 Jahren konnten 33 Länder den Anteil der in multidimensionaler Armut lebenden Bevölkerung halbieren. Besonders deutliche Verbesserungen wurden in Asien, insbesondere in China und Vietnam, erzielt.
Deutliche Verbesserungen bei der Armutsquote und der absoluten Zahl der von Armut Betroffenen gab es demnach in Ägypten, Nepal und Tadschikistan. Auch in Angola und Sambia sank die Armutsquote, doch das Bevölkerungswachstum führte dort zu einem Anstieg der Zahl der Armen.
Die Fortschritte im Kampf gegen die Armut zeigen, dass gezielte Massnahmen und Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur wirksam sein können. Länder wie China und Vietnam haben in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, was auf eine Kombination aus wirtschaftlichem Wachstum und gezielten Sozialprogrammen zurückzuführen ist.
Bedeutung für die Schweiz
Die steigende Armut weltweit hat auch Auswirkungen auf die Schweiz. Schweizer Unternehmen, die in den betroffenen Regionen tätig sind, könnten mit erhöhten Risiken und Herausforderungen in der Lieferkette konfrontiert werden. Zudem könnte die Nachfrage nach bestimmten Gütern und Dienstleistungen in diesen Regionen sinken.
Ausblick
Der UNDP-Chef Alexander De Croo betont, dass die steigende Armut ein Alarmsignal für die ganze Welt sei. Er fordert entschlossenes Handeln, um die Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.
Dies könnte durch Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit geschehen, was wiederum die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern und die Armut reduzieren könnte.
Einordnung
Der sogenannte multidimensionale Armutsindex berücksichtigt nicht nur finanzielle Aspekte, sondern auch die konkreten Lebensbedingungen der Menschen. Dazu gehören etwa der Zugang zu sauberem Trinkwasser, Strom, Bildung, ausreichender Ernährung, sanitären Einrichtungen und angemessenem Wohnraum. Armut bedeutet somit nicht nur finanzielle Not, sondern auch mangelnden Zugang zu grundlegenden Lebensbedingungen.
Was das für KMU bedeutet
Für Schweizer KMU könnte die steigende Armut in bestimmten Regionen zu erhöhten Risiken in der Lieferkette führen. Zudem könnte die Nachfrage nach bestimmten Gütern und Dienstleistungen in diesen Regionen sinken, was sich auf die Exportmöglichkeiten auswirken könnte.
Zahlen
- Betroffene
- 1,2 Milliarden
- Anstieg
- 51,5 Millionen
- Kinder und Jugendliche
- 51,5 Prozent
- Ländliche Gebiete
- 83 Prozent
Wissen zur Meldung
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