Sonntag Energy baut Agri-PV-Anlage mit Solar-Trackern über Erdbeerfeld am Bodensee
Die Lindauer Start-up-Firma Sonntag Energy baut ein Agri-PV-System mit beweglichen Solarmodulen über einem Erdbeerfeld in Überlingen. Die Anlage soll sich in unter zehn Jahren amortisieren.

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Sonntag Energy baut Agri-PV-System mit Solar-Trackern über Erdbeerfeld in Überlingen.
- Anlage hat eine Leistung von einem Megawatt peak und einen Batteriespeicher mit fünf Megawattstunden.
- Investition liegt im niedrigen einstelligen Millionenbereich, Amortisation in weniger als zehn Jahren.
- Regionale Partner liefern Technologie, Solarmodule und Batteriezellen stammen aus China.
- Expansion auf 2,4 Megawatt auf 2,5 Hektar geplant.
Key Facts
Überblick- Quelle
- Trending Topics
- Veröffentlicht
- 21.10.2026, 10:39
- Rubrik
- Energie
- Schwerpunkte
- Energiekosten & -versorgung, Neue Vorschriften & Compliance
- Einschätzung (KI)
- NeutralAgri-PV-Anlage in der Schweiz
Ausgangslage
Die Lindauer Start-up-Firma Sonntag Energy hat mit dem Bau eines Agri-PV-Systems auf einem Erdbeerfeld in Überlingen am Bodensee begonnen. Das System umfasst bewegliche Solarmodule und einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von fünf Megawattstunden. Die Anlage hat eine Leistung von einem Megawatt peak (MWp) und einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von fünf Megawattstunden.
Das Projekt in Überlingen ist das erste seiner Art in Europa, das bewegliche Solarmodule über einem Erdbeerfeld kombiniert. Es zeigt, wie innovative Technologien traditionelle Landwirtschaft mit erneuerbaren Energien verbinden können. Die Anlage soll nicht nur Strom erzeugen, sondern auch die Anbaubedingungen für die Erdbeeren verbessern.
Technische Details
Die Solarmodule dienen einem doppelten Zweck: Sie erzeugen Strom und bieten den Erdbeerpflanzen darunter Schatten sowie Schutz vor Wetterextremen und übermässiger Sonneneinstrahlung. Die beweglichen Tracker folgen der Sonne, was die Stromausbeute erhöht. Der Batteriespeicher kann sowohl Solarstrom als auch Strom aus dem Netz aufnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt einspeisen.
Dies maximiert die Energieausbeute und reduziert gleichzeitig den Bedarf an künstlicher Bewässerung.
Wirtschaftlichkeit
Die Investitionssumme liegt im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Laut Sonntag Energy soll sich die Anlage in weniger als zehn Jahren amortisieren. Der zusätzliche Ertrag aus der Stromerzeugung trägt massgeblich zur Wirtschaftlichkeit bei. Die Erdbeerproduktion läuft parallel weiter und profitiert leicht vom Schutz durch die Solarmodule.
Die Amortisationszeit von unter zehn Jahren ist ein starkes Argument für die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Die zusätzliche Einnahmequelle durch den Verkauf von Strom kann die finanzielle Stabilität des landwirtschaftlichen Betriebs erhöhen. Langfristig könnte das Modell auch andere Landwirte dazu motivieren, ähnliche Systeme zu installieren.
Regionale Zusammenarbeit
Ein Grossteil der verwendeten Technologie stammt aus der Region. Die Montagestruktur liefert Zimmermann aus Oberessendorf, die Mittelspannungskomponenten kommen von deutschen Partnern, und der Batteriespeicher stammt von einem Partner aus dem Allgäu. Die Solarmodule und Batteriezellen werden jedoch aus China importiert. Die Installation übernimmt die regionale Bauernkooperative Maschinenring Tettnang.
Die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern stärkt die lokale Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze. Die Bauernkooperative Maschinenring Tettnang übernimmt nicht nur die Installation, sondern auch die Wartung der Anlage. Dies sorgt für eine nachhaltige und langfristige Nutzung der Technologie.
Expansion
Bereits ist eine Erweiterung geplant. Eine Genehmigung für eine Anlage mit 2,4 Megawatt auf 2,5 Hektar liegt vor, was mehr als das Doppelte der ersten Phase darstellt.
Die geplante Erweiterung auf 2,4 Megawatt auf 2,5 Hektar zeigt das Potenzial des Projekts. Eine grössere Anlage könnte noch mehr Strom erzeugen und die Wirtschaftlichkeit weiter steigern. Die Genehmigung für die Erweiterung ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft des Projekts.
Geschäftsmodell
Sonntag Energy setzt auf ein anderes Geschäftsmodell als viele Solarparkbetreiber. Statt Land von Bauern zu pachten, baut das Start-up schlüsselfertige Systeme in der Nähe der Höfe, die die Bauern selbst besitzen und betreiben. Typische Systeme kombinieren ein bis zwei Megawatt peak Solarleistung mit ein bis zwei Megawatt Speicherkapazität und teilen sich eine Transformatorstation und Netzanschluss.
Das Geschäftsmodell von Sonntag Energy unterscheidet sich von herkömmlichen Solarparkbetreibern, indem es den Bauern die volle Kontrolle über die Anlage gibt. Dies fördert die Akzeptanz und Nachhaltigkeit der Technologie. Die Kombination aus Solarstrom und Landwirtschaft bietet eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
Herausforderungen
Die Übernahme des Agri-PV-Geschäfts der insolventen GridParity AG zeigt die Abhängigkeit der Branche vom politischen Rahmen. GridParity scheiterte teilweise daran, dass ein Bonus für Agri-PV-Systeme in Deutschland keine EU-Staatshilfegenehmigung erhielt, woraufhin Banken die Finanzierung zurückzogen.
Die Abhängigkeit der Branche vom politischen Rahmen bleibt eine Herausforderung. Ohne staatliche Unterstützung und klare regulatorische Vorgaben könnte die weitere Verbreitung solcher Projekte erschwert werden. Die Insolvenz von GridParity zeigt, wie wichtig eine stabile politische und finanzielle Grundlage ist.
Vergleich mit anderen Projekten
Die Kombination von Beerenanbau und Solarstrom ist nicht neu. Die Münchner Energiegesellschaft BayWa r.e. realisierte bereits 2020 einen 2,7 MWp Agri-PV-Park über Himbeerfeldern in den Niederlanden und testete auch Erdbeeren, Blaubeeren und Johannisbeeren mit festen, halbtransparenten Panelen. Sonntag Energy setzt hingegen auf bewegliche Panels, die mehr Strom erzeugen sollen.
Dies könnte langfristig die Wirtschaftlichkeit der Anlage verbessern. Die Stabilität des Mikroklimas unter den Panelen ist ein weiterer Vorteil, der die Anbaubedingungen für die Erdbeeren optimiert.
Einordnung
Agri-PV-Systeme kombinieren Landwirtschaft und Stromerzeugung. Sie bieten Landwirten zusätzliche Einnahmequellen und tragen zur Energiewende bei. Die Technologie ist jedoch abhängig von politischen Rahmenbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten.
Was das für KMU bedeutet
Für Schweizer KMU im Agrarsektor könnte das Projekt ein Modell sein, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschliessen und die Resilienz gegenüber Klimaveränderungen zu erhöhen. Die Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten bleibt jedoch eine Herausforderung.
Zahlen
- Leistung der Anlage
- 1 MWp
- Batteriespeicher
- 5 MWh
- Geplante Erweiterung
- 2,4 MW auf 2,5 Hektar
Wissen zur Meldung
Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.
Originaltitel: Sonntag Energy Puts Solar Trackers Over Strawberries at Lake Constance



