KI-Nutzung in der Softwareentwicklung: Langfristige Folgen für den Berufseinstieg
Die zunehmende Nutzung von KI in der Softwareentwicklung führt zu weniger Einstellungen von Berufseinsteigerinnen und -einsteigern. Unternehmen profitieren kurzfristig, doch langfristig drohen Engpässe. Wer entwickelt in zehn Jahren unsere Software?

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- 90 Prozent der Entwickler nutzen KI-Coding-Agenten mindestens wöchentlich.
- Beschäftigung von jungen Software-Entwicklern ist in den USA um 20 Prozent gesunken.
- Langfristig drohen Engpässe durch fehlende Ausbildung von Berufseinsteigerinnen und -einsteigern.
- Unternehmen sollten gemischte Teams bilden, um Wissen weiterzugeben.
- KI ist ein Moving Target, Unternehmen müssen kontinuierlich ihre Prozesse anpassen.
Key Facts
Überblick- Quelle
- t3n
- Veröffentlicht
- 01.11.2026, 08:00
- Rubrik
- Wirtschaft
- Schwerpunkte
- Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel, Digitalisierung & Verwaltung
- Einschätzung (KI)
- NegativLangfristige Folgen für Arbeitsmarkt
Ausgangslage
Die Nutzung von KI in der Softwareentwicklung nimmt stark zu. Eine Befragung von JetBrains zeigt, dass 90 Prozent der Entwicklerinnen und Entwickler KI-Coding-Agenten mindestens wöchentlich einsetzen. Gleichzeitig stellen Unternehmen immer weniger Berufseinsteigerinnen und -einsteiger ein.
Diese Tools ermöglichen es, Code schneller und effizienter zu generieren. Unternehmen setzen diese Technologie ein, um ihre Entwicklungsprozesse zu optimieren und Kosten zu senken. Allerdings führt diese Entwicklung dazu, dass viele Unternehmen weniger in die Ausbildung von Berufseinsteigerinnen und -einsteigern investieren.
Die Befragung von JetBrains zeigt, dass die Nutzung von KI-Coding-Agenten nicht nur auf bestimmte Regionen oder Unternehmen beschränkt ist. Die hohe Akzeptanz dieser Tools weltweit deutet darauf hin, dass sie einen festen Platz in der Softwareentwicklung eingenommen haben. Unternehmen, die diese Technologie nicht nutzen, könnten langfristig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Hintergrund
Die Studie der Stanford-Universität mit dem Titel „Canaries in the Coal Mine“ belegt, dass in den Vereinigten Staaten seit Ende des Jahres 2022 bei Software-Entwicklern und -Entwicklerinnen im Alter von 22 bis 25 Jahren eine Beschäftigungsabnahme von etwa 20 Prozent zu verzeichnen ist. Gleichzeitig steigt die Beschäftigung erfahrener Kolleginnen und Kollegen.
Einordnung für die Schweiz
Die Entwicklung ist nicht auf die USA beschränkt. Auch in der Schweiz könnte die zunehmende Nutzung von KI in der Softwareentwicklung langfristig zu einem Mangel an erfahrenen Entwicklerinnen und Entwicklern führen.
Was das für Unternehmen bedeutet
Unternehmen, die kurzfristig von der KI-Nutzung profitieren, könnten langfristig mit Engpässen konfrontiert werden. Eliyahu Goldratt erklärte in seiner Theory of Constraints, die 1984 in „The Goal“ erschien, dass die Leistung eines gesamten Systems durch dessen stärksten Engpass festgelegt wird. Wenn Unternehmen keine Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mehr ausbilden, fehlt ihnen langfristig das notwendige Urteilsvermögen und die Erfahrung, um komplexe Entscheidungen zu treffen.
Ausblick
Unternehmen sollten die langfristigen Folgen der KI-Nutzung in der Softwareentwicklung berücksichtigen. Eine mögliche Lösung könnte die Bildung gemischter Teams sein, in denen erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler ihr Wissen an Berufseinsteigerinnen und -einsteiger weitergeben.
Unternehmen sollten auch darauf achten, dass sie ihre Prozesse kontinuierlich anpassen. KI ist ein Moving Target, und jedes neue Werkzeug erfordert eine Anpassung der Prozesse. Unternehmen sollten daher sicherstellen, dass sie über die notwendigen Strukturen und Ressourcen verfügen, um diese Anpassungen vorzunehmen. Dadurch könnten sie sicherstellen, dass sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben.
Einordnung
Eliyahu Goldratt erläutert in seinem Werk „The Goal“ aus dem Jahr 1984 die Theory of Constraints. Er erklärt dabei, dass die Effizienz eines Systems durch dessen schwächste Stelle begrenzt wird. Diese schwächste Stelle bezeichnet er als Engpass. Die gesamte Leistung des Systems hängt von diesem Engpass ab. In der Softwareentwicklung könnte dieser Engpass langfristig durch fehlende Erfahrung und Urteilsvermögen entstehen.
Was das für KMU bedeutet
Für Schweizer KMU könnte die zunehmende Nutzung von KI in der Softwareentwicklung langfristig zu einem Mangel an erfahrenen Entwicklerinnen und Entwicklern führen.
Zahlen
- Befragte Entwickler
- 15.000
- Beschäftigungsrückgang junge Entwickler
- 20 Prozent
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Originaltitel: KI verdrängt den Nachwuchs: Wer entwickelt in zehn Jahren unsere Software?



