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KI verändert die Kühlung von Rechenzentren grundlegend

Leistungsstarke KI-Hardware erzeugt in Rechenzentren deutlich mehr Wärme. Statt die Luftkühlung vollständig abzulösen, zeichnet sich ein hybrides Modell ab, das Luft und Flüssigkeit je nach Leistungsdichte kombiniert.

Bild: Netzwoche

Das Wichtigste in Kürze

  • Hochverdichtete KI-Hardware erhöht die Wärmelast in Rechenzentren.
  • Flüssigkeitskühlung eignet sich besonders für leistungsintensive Komponenten.
  • Luftkühlung bleibt für zahlreiche bestehende IT-Systeme relevant.
  • Bestehende Rechenzentren können einzelne Racks und Leistungszonen schrittweise aufrüsten.
  • IT, Stromversorgung, Kühlung und Gebäudetechnik müssen stärker gemeinsam geplant werden.

Key Facts

Quelle
Netzwoche
Veröffentlicht
12.10.2026, 09:00
Rubrik
Technologie
Schwerpunkte
Künstliche Intelligenz, Energiekosten & -versorgung

Ausgangslage

Generative KI verschiebt die technischen Anforderungen in Rechenzentren. Leistungsfähige Grafikprozessoren und andere Beschleuniger bündeln viel Rechenleistung auf engem Raum und erzeugen entsprechend hohe Wärmelasten. Herkömmliche Luftkühlung kommt bei solchen hochverdichteten Systemen zunehmend an ihre Grenzen.

Flüssigkeitskühlung setzt näher an den besonders stark belasteten Komponenten an. Bei Direct-to-Chip-Systemen nehmen sogenannte Cold Plates die Wärme direkt an diesen Bauteilen auf und transportieren sie aus dem Server. Trotzdem verschwindet die Luftkühlung nicht: Speicher, Netzwerkkomponenten, Standardserver und klassische Unternehmensanwendungen können weiterhin konventionell gekühlt werden.

Hintergrund

Damit entsteht im Rechenzentrum eine gemischte Kühlumgebung. KI-Racks lassen sich mit Flüssigkeitskühlung betreiben, während andere Bereiche die bestehende Luftkühlung behalten. Rear-Door Heat Exchanger bilden eine weitere Möglichkeit: Sie sitzen an der Rückseite eines Racks und führen warme Abluft ab, bevor diese den Serverraum belastet.

Für bestehende Rechenzentren ist das besonders relevant. Viele Anlagen wurden für geringere Leistungsdichten ausgelegt. Werden zusätzliche KI-Systeme installiert, können Kühlung, Stromversorgung, Gebäudetechnik oder verfügbare Fläche zu Engpässen werden. Ein vollständiger Umbau ist technisch aufwendig und kann den laufenden Betrieb beeinträchtigen.

Einordnung für die Schweiz

Für Schweizer Betreiber und Unternehmen spricht vieles für schrittweise Investitionen statt eines pauschalen Technologiewechsels. Kühlung wird damit Teil der längerfristigen Kapazitätsplanung: Entscheidend ist nicht, eine Technologie vollständig durch eine andere zu ersetzen, sondern verschiedene Leistungszonen passend auszurüsten.

Dieser Ansatz kann auch finanziell sinnvoll sein. Wer bestehende Infrastruktur dort weiterverwendet, wo sie ausreicht, muss nicht jede Investition auf maximale künftige Leistung ausrichten. Umgekehrt darf neue Infrastruktur nicht so knapp dimensioniert werden, dass bereits die nächste Hardwaregeneration einen weiteren Umbau verlangt.

Was das für Unternehmen bedeutet

Mit Flüssigkeitskühlung rücken IT und Gebäudetechnik enger zusammen. Rohrleitungen, Cold Plates, Kühlkreisläufe und gegebenenfalls Coolant Distribution Units müssen mit Stromversorgung, Hardware und Gebäudekühlung abgestimmt werden. Temperatur, Druck und Durchfluss werden damit ebenso zu Betriebsgrössen wie die klassische Überwachung von Servern.

Für Unternehmen, die eigene Rechenzentren oder grössere Serverräume betreiben, wird die Einführung von KI deshalb schnell zu einer Infrastrukturfrage. Auch bei extern bezogenen Rechenzentrumsleistungen lohnt sich der Blick auf Leistungsreserven und Ausbaupfade. Ein KI-Projekt endet technisch nicht beim Kauf neuer Server.

Ausblick

Die Anforderungen dürften sich mit neuen Prozessoren und Beschleunigern weiter verändern. Modulare Konzepte ermöglichen es, einzelne Racks oder Zonen auszubauen, ohne das gesamte Rechenzentrum auf einmal umzurüsten. Neben Direct-to-Chip-Systemen kommen dafür auch Liquid-to-Air-Lösungen oder zentrale Kühlmittelverteiler infrage.

Mit steigenden Wärmelasten gewinnt zudem die Nutzung von Abwärme an Aufmerksamkeit. Ob Wärme für Gebäude oder Wärmenetze genutzt werden kann, hängt von Temperatur, Entfernung zu möglichen Abnehmern und vorhandener Infrastruktur ab. Kühlung wird damit zunehmend auch zu einer Frage des Standorts und seiner langfristigen Energiekonzeption.

Einordnung

KI-Infrastruktur verändert nicht allein die Serverbeschaffung. Höhere Leistungsdichten greifen direkt in Stromversorgung, Kühlung und Gebäudetechnik ein. Hybride Konzepte können Investitionen zeitlich staffeln und bestehende Infrastruktur länger nutzbar halten.

Was das für KMU bedeutet

Für Schweizer KMU mit eigener IT-Infrastruktur ist vor allem die Kapazitätsplanung relevant. Wer leistungsstarke KI-Systeme anschaffen will, sollte früh prüfen, ob Strom, Kühlung und räumliche Voraussetzungen mitwachsen können, statt Hardware isoliert zu betrachten.

Wissen zur Meldung

Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.

Fragen und Antworten

Warum reicht Luftkühlung für KI-Systeme teilweise nicht mehr aus?

Hochverdichtete KI-Hardware erzeugt viel Wärme auf engem Raum, wodurch die Abfuhr über gekühlte Luft schwieriger wird.

Muss ein Rechenzentrum vollständig auf Flüssigkeitskühlung wechseln?

Nein. Die beschriebenen Konzepte kombinieren Flüssigkeitskühlung für hohe Leistungsdichten mit Luftkühlung für andere IT-Systeme.

Was sind Rear-Door Heat Exchanger?

Es handelt sich um Wärmetauscher an der Rückseite eines Racks, die warme Abluft abführen.

Begriffe

Direct-to-Chip
Kühlkonzept, bei dem Flüssigkeit Wärme direkt an leistungsintensiven Komponenten aufnimmt.
Cold Plate
Bauteil zur direkten Aufnahme und Ableitung von Wärme an einem Chip.
CDU
Einheit zur Verteilung von Kühlmittel auf mehrere Racks.
Rear-Door Heat Exchanger
Wärmetauscher an der Rückseite eines Serverracks.
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Originaltitel: KI macht Rechenzentren hybrid: Luft- und Flüssigkeitskühlung im Zusammenspiel