US-Aktien: Bailer sieht Chancen abseits der teuren KI-Favoriten
John Bailer von BNY Investments hält den US-Aktienmarkt nicht pauschal für überteuert. Chancen sieht er bei Dividendentiteln und Regionalbanken, während er bei einzelnen Gewinnern des KI-Infrastrukturbooms vor hohen Bewertungen warnt.

Das Wichtigste in Kürze
- Bailer hält nicht den gesamten US-Aktienmarkt für überteuert.
- Vor allem die teuersten 20 Prozent des Marktes weisen nach seiner Analyse hohe Bewertungen auf.
- Dividendenaktien und Regionalbanken gehören zu seinen bevorzugten Bereichen.
- Bei einzelnen Profiteuren des KI-Infrastrukturausbaus warnt er vor zu hohen Preisen.
- Künftige KI-Gewinner sieht er unter anderem bei Banken, Versicherungen und im Gesundheitswesen.
Key Facts
- Quelle
- finews.ch
- Veröffentlicht
- 12.10.2026, 08:16
- Rubrik
- Märkte
- Schwerpunkte
- Künstliche Intelligenz
Ausgangslage
Die US-Aktienmärkte bewegen sich nahe an Rekordständen, doch John Bailer von BNY Investments hält daraus abgeleitete Aussagen über eine generelle Überbewertung für zu grob. Seiner Einschätzung nach konzentrieren sich hohe Bewertungen stark auf die teuersten Teile des Marktes. Bei einer Einteilung des S&P 500 in Bewertungsgruppen seien vor allem die obersten 20 Prozent auffällig teuer.
Am anderen Ende sieht Bailer ein anderes Bild. Die günstigsten 20 Prozent würden weiterhin zu vergleichsweise normalen Bewertungen gehandelt. Seine Strategie sucht deshalb gezielt nach Unternehmen, die am Markt wenig beliebt sind, deren Geschäftsdynamik sich aber verbessern könnte und die gleichzeitig solide Bilanzen sowie stabile Cashflows aufweisen.
Hintergrund
Dividenden spielen in diesem Ansatz eine wichtige Rolle. Für Bailer kann eine steigende Ausschüttung ein Hinweis darauf sein, dass Management und Verwaltungsrat Vertrauen in die künftige Entwicklung der freien Mittel haben. Er setzt deshalb auf Unternehmen, die Dividenden zahlen und diese über längere Zeit steigern können.
Finanzwerte bilden aktuell die grösste Sektorposition in seinem Ansatz. Besonders interessant findet Bailer amerikanische Regionalbanken. Als Beispiel nennt er Fifth Third Bancorp, die Comerica übernommen hat. Die übernommene Bank ist stark in Michigan und Texas vertreten. Bailer erwartet, dass Fifth Third Synergien erzielen und die Position in Texas ausbauen kann.
Seine These reicht über einzelne Banken hinaus. Er rechnet mit einer stärkeren industriellen Aktivität in den USA und sieht Regionalbanken wegen ihrer Kreditbeziehungen zu Industrie- und Gewerbeunternehmen als mögliche Profiteure. In den kommenden Quartalen erwartet er in diesem Segment interessante Entwicklungen bei Unternehmensgewinnen.
Einordnung für die Schweiz
Der Blick auf künstliche Intelligenz fällt differenziert aus. Bailer hält die Technologie selbst für wirtschaftlich bedeutend, warnt jedoch vor den Bewertungen mancher Unternehmen, die vom Aufbau der KI-Infrastruktur profitieren. Viel Kapital fliesse derzeit in Rechenzentren und andere Infrastruktur, wodurch einzelne Aktien teuer geworden seien.
Interessanter findet er die nächste Phase. Unternehmen müssen ihre Systeme modernisieren und anschliessend zeigen, ob sich KI tatsächlich in höhere Produktivität übersetzen lässt. Als mögliche Gewinner nennt Bailer Banken, Versicherungen und das Gesundheitswesen. J.P. Morgan könnte aus seiner Sicht zu den grossen KI-Profiteuren gehören, bei Bewertung und Ertrag bevorzugt er derzeit jedoch Regionalbanken.
Für Schweizer Anleger ist daran vor allem die Unterscheidung zwischen einer überzeugenden wirtschaftlichen Entwicklung und einem attraktiven Einstiegspreis relevant. Ein wachsender Markt garantiert nicht automatisch eine gute Aktienrendite, wenn hohe Erwartungen bereits vollständig im Kurs enthalten sind.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für Unternehmen zeigt Bailers Sichtweise einen grundlegenden Punkt: Der wirtschaftliche Wert von KI entsteht nicht allein durch Investitionen in technische Infrastruktur. In einer späteren Phase müssen Firmen zeigen, ob sie mit der Technologie tatsächlich produktiver arbeiten können.
Auch für KMU ist diese Trennung nützlich. Hohe Ausgaben für neue Systeme sind kein Selbstzweck. Entscheidend bleibt, ob Prozesse schneller, günstiger oder qualitativ besser werden und ob der erwartete Nutzen die Investition rechtfertigt.
Ausblick
Bailer sieht die amerikanische Wirtschaft derzeit robuster als von ihm erwartet. Selbst bei einer Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von annähernd 5 Prozent erkennt er nach eigenen Angaben keine ausgeprägten Risse. Die Kreditaufschläge seien eng, und von Banken höre er derzeit nichts über grössere Kreditprobleme.
Gleichzeitig bleibt er zyklisch vorsichtig. Bei Snackproduzenten sieht er Risiken durch veränderte Konsumgewohnheiten im Zusammenhang mit GLP-1-Medikamenten. Bei Raffineriebetreibern hat er sein Engagement seit Jahresbeginn reduziert, weil die zuletzt hohen Margen aus seiner Sicht nicht zwangsläufig dauerhaft sind. Seine Kernaussage bleibt damit klar: Bewertung, Geschäftsdynamik und Qualität müssen gemeinsam stimmen.
Zahlen
- Teuerstes Bewertungssegment des US-Markts
- 20 Prozent
- Günstigstes Bewertungssegment des US-Markts
- 20 Prozent
- Erfahrung von Bailer und Brian Ferguson
- mehr als 20 Jahre
- Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im genannten Szenario
- annähernd 5 Prozent
Einordnung
Die Aussagen unterscheiden zwischen dem wirtschaftlichen Potenzial einer Technologie und der Bewertung der Unternehmen, die davon profitieren. Gerade bei stark beachteten Wachstumsthemen können hohe Erwartungen bereits in Aktienkursen enthalten sein. Bailer sucht deshalb nach günstigeren Titeln mit soliden Cashflows und sich verbessernder Geschäftsentwicklung.
Was das für KMU bedeutet
Für Schweizer KMU lässt sich aus der Marktbetrachtung vor allem ein Investitionsprinzip ableiten: Neue Technologie schafft erst dann wirtschaftlichen Wert, wenn sie messbare Produktivitätsgewinne bringt. Hohe Ausgaben für KI-Infrastruktur oder Software sollten deshalb an konkrete betriebliche Verbesserungen geknüpft werden.
Wissen zur Meldung
Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.
Fragen und Antworten
Hält John Bailer US-Aktien generell für zu teuer?
Nein. Er sieht die hohen Bewertungen vor allem im teuersten Teil des Marktes.
Welche Aktien bevorzugt er?
Er sucht unter anderem Dividendenaktien, solide Unternehmen mit stabilen Cashflows und Regionalbanken.
Wie beurteilt er den KI-Boom?
Er hält KI für wirtschaftlich bedeutend, sieht aber einige Anbieter der KI-Infrastruktur bereits als hoch bewertet.
Welche Branchen könnten später von KI profitieren?
Bailer nennt Banken, Versicherungen und das Gesundheitswesen.
Begriffe
- Dividende
- Ausschüttung eines Unternehmens an seine Aktionärinnen und Aktionäre.
- Value Trap
- Aktie, die günstig erscheint, deren Geschäftsentwicklung die niedrige Bewertung aber rechtfertigt.
- Free Cashflow
- Mittel, die einem Unternehmen nach notwendigen betrieblichen Ausgaben und Investitionen zur Verfügung stehen.
- Regionalbank
- Bank mit starkem Geschäftsschwerpunkt in bestimmten Regionen.
Originaltitel: John Bailer: «Wir mögen langweilige Unternehmen»



