Unterschiede im Anlageverhalten zwischen Deutsch- und Westschweiz
Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt, dass in der Deutschschweiz deutlich mehr Menschen Wertschriften besitzen als in der Westschweiz. Einkommen und Vermögen erklären diesen Unterschied nur teilweise.

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Deutschschweiz: 58 Prozent der Bevölkerung besitzen Wertschriften
- Westschweiz: 37 Prozent der Bevölkerung besitzen Wertschriften
- Unterschiede lassen sich nicht allein durch Einkommen und Vermögen erklären
- Finanzwissen und Risikobereitschaft spielen eine wichtige Rolle
- Kulturelle oder gesellschaftliche Unterschiede könnten eine Rolle spielen
Key Facts
Überblick- Quelle
- finews.ch
- Veröffentlicht
- 19.10.2026, 10:54
- Rubrik
- Finanzen
- Schwerpunkte
- Neue Vorschriften & Compliance
- Einschätzung (KI)
- NeutralFinanzverhalten in der Schweiz
Ausgangslage
In der Deutschschweiz investieren 58 Prozent der Bevölkerung in Wertschriften, während in der Westschweiz nur 37 Prozent dies tun. Diese Unterschiede werden durch eine Studie der Hochschule Luzern aufgezeigt, die in Kooperation mit der Luzerner Kantonalbank erstellt wurde. Eine repräsentative Umfrage ist die Basis dieser Studie. An ihr nahmen 2.005 Personen teil. Das Alter der Teilnehmer lag zwischen 18 und 79 Jahren. Die Umfrage fand im Juli 2025 statt.
Die Unterschiede im Anlageverhalten zwischen den beiden Sprachregionen sind erheblich. In der Deutschschweiz legen etwa sechs von zehn Befragten ihr Geld in Wertschriften an, in der Westschweiz sind es dagegen weniger als vier von zehn. Die landesweite Beteiligung am Kapitalmarkt beträgt etwa 52 Prozent.
Hintergrund
Andreas Dietrich und Reto Rey, die Autoren der Studie, weisen darauf hin, dass die 21 Prozentpunkte Differenz zwischen den Sprachregionen nicht ausschliesslich durch wirtschaftliche Unterschiede zu erklären ist. Allerdings verfügen die Befragten in der Deutschschweiz im Durchschnitt über höhere Einkommen und Vermögen. Dennoch investieren auch innerhalb vergleichbarer Einkommens-, Vermögens- und Bildungsgruppen die Deutschschweizer häufiger in Wertschriften.
Mögliche Erklärungen für diese Unterschiede könnten im Finanzwissen und in der Haltung gegenüber Anlagerisiken liegen. Die befragten Personen in der Deutschschweiz haben durchschnittlich ein besseres Finanzwissen. Sie empfinden bei Anlageentscheidungen weniger Furcht. Zudem sind sie eher bereit, finanzielle Risiken einzugehen.
Die Unterschiede im Anlageverhalten zeigen sich auch in der Art und Weise, wie Anleger ihre Investitionsentscheide treffen. Die Studie unterscheidet drei Anlegertypen: selbständige Anleger, solche, die sich beraten lassen, und Anleger, die ihre Entscheide einer Vermögensverwaltung übertragen. Der Anteil der selbständig entscheidenden Anleger liegt in der Deutschschweiz etwas höher.
Einordnung für die Schweiz
Die Analyse der Statistik weist darauf hin, dass vor allem die Furcht vor Verlusten in allen Teilen des Landes ein bedeutendes Hindernis für den Zugang zum Kapitalmarkt darstellt. In der französischsprachigen Schweiz wirkt sich das schwächere Engagement bei Finanzmarktangelegenheiten zusätzlich stärker aus. Selbst bei Einbezug mehrerer Einflussfaktoren bleibt ein Unterschied von etwa 12 Prozentpunkten bei der Beteiligung an Wertschriften bestehen.
Die Autoren vermuten, dass weitere kulturelle oder gesellschaftliche Unterschiede das Anlageverhalten beeinflussen könnten. Welche Faktoren dafür konkret verantwortlich sind, lässt sich aus den vorliegenden Daten allerdings nicht ableiten.
Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Bereitschaft, am Kapitalmarkt zu investieren, auch bei vergleichbaren wirtschaftlichen Voraussetzungen in der Deutschschweiz deutlich grösser ist als in der Romandie. Dies könnte auf tiefere kulturelle oder gesellschaftliche Unterschiede hindeuten, die in der Studie jedoch nicht näher spezifiziert werden können.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für Banken und Vermögensverwalter sind die Erkenntnisse insbesondere im Hinblick auf die Ansprache potenzieller Neukunden relevant. Die deutlich tiefere Wertschriftenquote in der Westschweiz deutet auf ein bislang weniger ausgeschöpftes Anlegerpotenzial hin. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass höhere Einkommen oder ein grösseres Vermögen allein nicht ausreichen, um Menschen zum Investieren zu bewegen.
Finanzbildung, verständliche Informationen über Anlagerisiken und unterschiedliche Beratungsangebote könnten deshalb eine wichtige Rolle spielen. Die Untersuchung legt zudem nahe, dass Finanzinstitute ihre Angebote und Kommunikation stärker auf regionale Unterschiede ausrichten könnten.
Ausblick
Die Studie der Hochschule Luzern zeigt, dass das Anlageverhalten in der Schweiz stark von regionalen Unterschieden geprägt ist. Während in der Deutschschweiz eine höhere Risikobereitschaft und ein grösseres Finanzwissen zu einer höheren Beteiligung am Kapitalmarkt führen, spielen in der Westschweiz Verlustängste und ein geringeres Interesse an Finanzmarktthemen eine grössere Rolle.
Für die Zukunft könnte es wichtig sein, gezielt Finanzbildung und Beratungsangebote zu fördern, um die Unterschiede zwischen den Sprachregionen zu verringern. Dies könnte nicht nur das Anlegerpotenzial in der Westschweiz besser ausschöpfen, sondern auch zu einer breiteren Streuung von Investitionen in der Schweiz führen.
Einordnung
Die Studie der Hochschule Luzern zeigt, dass das Anlageverhalten in der Schweiz stark von regionalen Unterschieden geprägt ist. Während in der Deutschschweiz eine höhere Risikobereitschaft und ein grösseres Finanzwissen zu einer höheren Beteiligung am Kapitalmarkt führen, spielen in der Westschweiz Verlustängste und ein geringeres Interesse an Finanzmarktthemen eine grössere Rolle.
Was das für KMU bedeutet
Für Banken und Vermögensverwalter sind die Erkenntnisse insbesondere im Hinblick auf die Ansprache potenzieller Neukunden relevant. Die deutlich tiefere Wertschriftenquote in der Westschweiz deutet auf ein bislang weniger ausgeschöpftes Anlegerpotenzial hin. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass höhere Einkommen oder ein grösseres Vermögen allein nicht ausreichen, um Menschen zum Investieren zu bewegen.
Zahlen
- Wertschriftenbesitz Deutschschweiz
- 58 Prozent
- Wertschriftenbesitz Westschweiz
- 37 Prozent
- Vermögen über 100'000 Franken Deutschschweiz
- 34,8 Prozent
- Vermögen über 100'000 Franken Westschweiz
- 21,3 Prozent
- Einkommen über 104'000 Franken Deutschschweiz
- 20 Prozent
- Einkommen über 104'000 Franken Westschweiz
- 16 Prozent
Wissen zur Meldung
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Begriffe
- Wertschriften
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- Finanzwissen
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