KI-Agenten ersetzen Junior-Jobs bei Anthropic
Die KI-Firma Anthropic setzt zunehmend auf KI-Agenten, was zu einem deutlichen Rückgang der Einstellungen von Berufseinsteiger:innen führt. Ein interner Bericht zeigt, wie sich die Arbeitswelt im Unternehmen verändert.

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- KI-Agenten arbeiten ein Vielfaches der Stunden ihrer menschlichen Kolleg:innen.
- Anteil der Junior-Kräfte an den neu eingestellten Techniker:innen sank von 27 auf 9 Prozent.
- Im März 2026 überstiegen die Arbeitsstunden der KI-Agenten erstmals jene der Menschen.
- Finanziell läuft es für Anthropic gut, mit einem Umsatz von 16,8 Milliarden Dollar im dritten Quartal.
Key Facts
Überblick- Quelle
- Trending Topics
- Veröffentlicht
- 17.10.2026, 18:44
- Rubrik
- Technologie
- Schwerpunkte
- Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel
- Einschätzung (KI)
- NeutralKI-Einsatz in der Arbeitswelt
Ausgangslage
Anthropic, der Entwickler des KI-Modells Claude, hat einen Bericht veröffentlicht, der zeigt, wie stark KI-Agenten die Arbeitswelt im Unternehmen verändern. Die Mitarbeiter:innen leisten inzwischen viel mehr Arbeitsstunden als ihre menschlichen Kolleg:innen. Gleichzeitig nimmt die Einstellung von Berufsanfänger:innen stark ab.
Der Bericht «How employment is changing at Anthropic» stützt sich auf interne Angaben zu Personal, KI-Einsatz, Erträgen, Kalendern und Präferenzen sowie Gespräche mit 17 Angestellten. Die KI-Firma setzt bei sich selbst um, was sie anderen anbietet: KI-Agenten übernehmen zunehmend Aufgaben, die zuvor von Menschen erledigt wurden.
Entwicklung der Arbeitskräfte
Der Anteil der Junior-Kräfte an den neu eingestellten Techniker:innen sank von 27 auf 9 Prozent. Insgesamt sank der Anteil der Berufseinsteiger:innen in den technischen Abteilungen von 21 auf 14 Prozent. Die Stellenausschreibungen für Einsteiger:innen nahmen ab Dezember 2025 deutlich ab.
Im April 2026 berichteten rund 33 Prozent der Führungskräfte im Bereich maschinelles Lernen, dass sie wegen der KI weniger Personal einstellen würden. Bei der Softwareentwicklung war es ein Fünftel. Die technischen Abteilungen stellten weiterhin in absoluten Zahlen ein, während die Bereiche Vertrieb, Finanzen und Recruiting schneller wuchsen.
Produktivitätssteigerung durch KI
Im März 2026 erreichten die Arbeitsstunden von KI-Agenten erstmals einen höheren Wert als die der menschlichen Mitarbeiter. Bis August arbeiteten die Agenten sechsmal so viele Stunden wie ihre menschlichen Kolleg:innen. Entwicklerinnen und Entwickler verzeichneten eine fünfmal höhere Anzahl an Code-Commits im Vergleich zur vorherigen sechsmonatigen Periode. Auch in anderen Abteilungen wie Jurisprudenz, Buchhaltung und Vertrieb wurde mehr erledigt.
Herausforderungen und Engpässe
Der Engpass ist inzwischen der Mensch. Rund 80 Prozent der Zeit warten interaktive Claude-Sitzungen auf eine Eingabe der Nutzer:innen. Wer nicht in der Technik arbeitet, müsste mehr als die Hälfte einer Arbeitswoche aufwenden, um alles zu lesen, was die eigenen Agenten produzieren. Gleichzeitig verbringen die Beschäftigten 20 Prozent mehr Zeit in Meetings als ein Jahr zuvor.
Die Mitarbeiter:innen sehen ihre Arbeit zunehmend darin, Teams von Claudes zu managen, schreiben die Forscher:innen. Dies führt zu einer höheren Arbeitsbelastung in Bezug auf Meetings und Koordination. Die Beschäftigten verbringen 20 Prozent mehr Zeit in Meetings als ein Jahr zuvor.
Einordnung für die Schweiz
Die KI-Nutzung im Unternehmen ist rund eineinhalb Jahre voraus. Finanziell läuft es für Anthropic zuletzt gut, mit einem Umsatz von 16,8 Milliarden Dollar im dritten Quartal.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die Auswirkungen von KI auf die Gesamtbeschäftigung sind derzeit noch unklar. Während einige Studien einen Rückgang der Einstellungen in KI-exponierten Berufen zeigen, fand eine dänische Studie keinen Unterschied bei Einstiegsjobs zwischen Firmen, die KI nutzen, und solchen, die es nicht tun.
Ausblick
Anthropic selbst schränkt ein, dass der Bericht lediglich eine Fallstudie über ein einzelnes Unternehmen ist. Die Zahlen beruhen auf Anthropics eigenen Definitionen von Agenten-Stunden und Produktivität. Wie repräsentativ ein KI-Labor, das seine eigenen Agenten besonders intensiv nutzt, für andere Firmen ist, lässt der Bericht offen.
Einordnung
Die KI-Nutzung bei Anthropic ist rund eineinhalb Jahre voraus gegenüber dem Rest der Wirtschaft. Die Erfahrungen des Unternehmens könnten deshalb ein Frühindikator für die gesamte Branche sein.
Was das für KMU bedeutet
Für Schweizer KMU könnte dies bedeuten, dass sie sich auf eine zunehmende Automatisierung und eine Veränderung der Arbeitskräfteverteilung einstellen müssen. Die Auswirkungen auf die Gesamtbeschäftigung sind jedoch noch unklar.
Zahlen
- Anteil Junior-Kräfte an neuen Techniker
- innen: 9%
- Arbeitsstunden KI-Agenten im August 2026
- 6x so viele wie menschliche Kollegen
- Umsatz Anthropic Q3
- 16,8 Milliarden Dollar
Wissen zur Meldung
Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.
Fragen und Antworten
Wie stark betrifft Sie die zunehmende Automatisierung durch KI?
Wir stellen bereits KI-Agenten ein.
Begriffe
- KI-Agenten
- Software-Agenten, die Aufgaben autonom oder semi-autonom erledigen.
- Code-Commits
- Änderungen am Quellcode eines Softwareprojekts.
Umfrage für Unternehmen
Planen Sie den Einsatz von KI-Agenten in Ihrem Unternehmen?
Antwort wählen – anonym, ohne Anmeldung
Originaltitel: Bei Anthropic schrumpfen die Junior-Jobs



